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Bilk

Der Schwerttanz in Bilk

Noch in weit frühere Zeit als das Schützenbrauchtum reicht der Schwerttanz zurück, wie er in Bilk bis um die Mitte des vorigen Jahrhunderts am Fastnachts-Montag und -Dienstag geübt wurde. Ausführende waren 12 junge Männer aus der Bauerschaft. Sie begannen auf dem Hofe Hundsbilk (heute Röwert) und wiederholten den Tanz Haus um Haus auf den Dielen aller Bauernhöfe. In der Gruppe war ein Führer, der für den geordneten Ablauf zu sorgen hatte, ein Tambour, nach dessen Trommelschlag sich der Tanz abwickelte und ein Würsteträger, der über der Schulte eine Stange trug, an der die Gaben baumelten, die die Tänzer in jedem Hause als Dank und Lohn bekamen.

Der geschickteste und kühnste von allen war der Vortänzer, und die restlichen 8 trugen die Schwerter und  bildeten  mit ihnen  beim  Tanze die  vorgeschriebenen  Figuren.   Zuerst die „Brücke", die bei den Reigenspielen der Kinder und den Polonaisen der Erwachsenen noch heute beliebt ist. Dabei stellten sich die ersten beiden Tänzer einander gegenüber   auf   und   streckten   ihre  Schwerter  als  „Brückenbogen"   schräg   nach oben. Das zweite Paar tanzte nach dem Takte der Trommel hindurch und verlängerte  den Brückenbogen,  das dritte und  vierte folgte.  Dann  löste sich die Brücke ebenso wieder auf, und der zweite und schwierigere Teil begann. Dazu stellten sich die Tänzer unter der Bodenluke in einem Kreise so auf, daß jeder sein Gegenüber hatte. Die Schwertträger streckten  ihre bis  1,50 Meter langen Schwerter vor sich und legten sie kreuzweise übereinander. Mit der linken Hand ergriff  jeder die  Schwertspitze seines  Gegenüber,   auf   die zum  Schutz   gegen Schnittverletzungen ein  Knauf aufgeschraubt  werden  konnte.  So  entstand  die Figur eines Sterns. Auf ein Trommelzeichen sprang der Vortänzer auf die Mitte des  Schwertersterns.   Seine Männer begannen,  den  auf  den breiten  biegsamen Klingen Stehenden im Rhythmus der Trommel auf- und abzuwiegen, erst behutsam, dann immer schneller und stärker, bis sie ihn schließlich, wiederum auf ein   Trommelzeichen,   mit   gewaltigem  Schwung  nach  oben  schleuderten,  durch die Bodenluke bis an die Querhölzer des Hauses. Hier hingen ein paar Würste, ein Stück Speck und anderes, was die Waghalsigkeit des Vortänzers zu reizen vermochte. War er sehr geschickt, gelang es ihm, schon im Sprung etwas davon abzureißen  und,   auf dem  Querholz  sitzend,  eine Kostprobe  zu  nehmen. Die übrigen  tanzten auf der Diele  in  die Runde,  immer im Takte  der Trommel. Dann stellten sie  sich  wieder  unter der  Luke  auf,  und der  kühne  Vortänzer ließ  sich   hinunterfallen,   hindurch  durch  die  Bodenluke,   um  unten  von  den Schwertträgern wieder aufgefangen zu werden.  Das war der schwierigste Teil des Spiels: Verfehlte der Vortänzer den Mittelpunkt des Schwertersterns, konnte er sich schwer verletzen. Darum wurde dieser Höhepunkt des Brauches auch nur einmal vorgeführt.  Nur,  wenn  in einem  Hause gerade ein  besonderes,  frohes Ereignis   vorgefallen,  etwa   ein   Kind  geboren  war,   führten   die  Männer   den „Lufttanz"  oder  „Tanz durch die Bodenluke"  ein zweites Mal aus. Bevor die Gruppe dann zum nächsten Hof zog, wurde sie in der Küche bewirtet, und der Hausherr überreichte dem Führer nach alter Sitte eine Wurst, die ihren Platz an der Stange des  Würsteträgers fand.  —   Am  Abend versammelten sich die Schwerttänzer dann, zusammen mit der Schützenvereinigung, in der Wirtschaft Essing in Bilk zur Nachfeier, bei der zuerst die gesammelten Würste verzehrt wurden. Bei  Essing hatte  vorher  jeder Bilker Bauer, alter  Absprache gemäß, einen Scheffel Gerste zum Bierbrauen abgeliefert. So war  für eine  gründliche Feier bis tief in die Nacht hinein vorgesorgt.

In der Wirtschaft Essing wurde auch bis in die achtziger Jahre das letzte erhaltene Schwert der Tänzer aufbewahrt; es ist seitdem spurlos verschwunden. Der Brauch hielt sich in Bilk bis etwa 1850. Als damals in der Pfarrkirche zu Wettringen  das vierzigstündige  Gebet zu  Fastnacht eingeführt wurde, ging er zum großen Leidwesen der Bilker ein.

Von Bilk aus verbreitete sich der Schwerttanz auch m die nähere Nachbarschaft, so nach Haddorf und Welbergen. In Wclbergen wurde dabei der Vortänzer Kappelhoff schwer verletzt. Die letzten Vortänzer waren in Bilk Möllmann, Gerd Bernhard Meseker und Johann Bernhard Wolters, der zeitweise auch

Tambour war, und in Haddorf Schräder, der im Winter 1919/20 im Alter von 91 jähren starb. Die Berichte dieser alten Teilnehmer wurden von dem Bilker Lehrer Fremann aufgezeichnet und das Wichtigste daraus vom Haddorfer Lehrer Benus 1920 in der Zeitschrift des Westfälischen Heimatbundes „Heimatblätter der Roten Erde" (Jg. 2, S. 177 f.) veröffentlicht. Diesen Niederschriften folgt die vorliegende Darstellung.

Der Schwerttanz war — zum Teil bis ins 19. Jahrhundert — in Deutschland, Österreich, der Schweiz, in Schweden, Schottland und anderen Ländern üblich. In Westfalen wird z. B. in Münster, Freckenhorst, Bochum, Vreden, Recklinghausen, Essen (1461!), Arnsberg, Atteln, Körbecke, Paderborn, Ruthen, Warburg, Liebenau und Calenberg von ihm berichtet4111. Ausübende waren in den Städten die Handwerksgesellen, auf dem Lande die „Ackerknechte", also, wie in Bilk, die ledigen Bauern- und Kötterssöhne. Die älteste Nachricht über Schwerttänze stammt von dem römischen Geschichtsschreiber Tacitus. In seiner „Germania" berichtet er, daß bei den Festen der Germanen nackte Jünglinge „zwischen Schwertern und drohenden Lanzenspitzen" tanzten, und er bewundert die Gewandtheit, die sie bei ihrem „verwegenen Spiel" zeigten. Danach rechnet man den Schwerttanz in seiner ursprünglichen Form und Bedeutung zu den Mut-und Geschicklichkeitsproben, die bei vielen Völkern mit den Jünglingsweihen beim Übergang vom Knaben zum wehrhaften Mann verbunden waren. Im Mittelalter wandelte sich der Tanz — besonders m den Städten — zum reinen Schautanz mit vielen schwierigen Figuren, der zum bunten Fastnachtstreiben gehörte.

Überall wurde bei diesem Spiel mit der „Brücke" begonnen. Dabei mußten die Tänzer einzeln über die vorgehaltenen Schwerter springen, zwischen ihnen ihre Tanzbewegungen fortsetzen, ohne die Schwerter zu berühren, mußten unter den zum Boden gesenkten Schwertern hindurchkriechen, im Kampfspiel die Waffen gegeneinanderschlagen oder sie in die Luft werfen und wieder auffangen. — Die zweite Figur, die in Bilk „Stern" genannt wird, heißt an anderen Orten meist die „Rose". Die Schwerter wurden dabei auf ganz verschiedene Weise zu einem kunstvollen, festen „Geflecht" miteinander verbunden, auf das der Vortänzer oder „König" treten konnte, um dann langsam im Rhythmus der Musik, die in den Städten meist von Trommlern und Pfeifern bestritten wurde, von den Trägern gewiegt und hochgehoben zu werden. Der kühne Sprung bis hoch zwischen die Dachbalken wird außer in Bilk nur noch von den jungen Bauernburschen in Dithmarschen in Westholsten berichtet. — Nach den vorliegenden geschichtlichen Nachrichten gehört Bilk zu den Orten, in denen sich der Schwerttanz am längsten gehalten hat.