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FC Westfalia Bilk e.V.

www.westfalia-bilk.de

Geschichte

Eine handgreifliche
Fußballgeschichte

Die außergewöhnliche Chronik von Westfalia Bilk

Von Alfons Reers

Wettringen— „Westfalia kommt" — so steht es unübersehbar in weißen Lettern seit fast einem Jahr auf der Fahrbahn vor dem Vereinslokal Josef Wolters in Bilk.
Aufgetragen von jungen Menschen, denen der Name Westfalia eine Verpflichtung bedeutet und die diesen Verein, der vor fast 60 Jahren gegründet wurde, wieder aktivieren wollen, zum einen, um die Tradition dieses Vereins fortzuführen und zum anderen, um wieder im unmittelbaren Wohnbereich Sport betreiben zu können.

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Das Foto zeigt die Mannschaft des Jahres 1948. (ZUM VERGRÖßERN ANKLICKEN!)

Die Geschichte von Westfalia Bilk ist fast genauso wechselhaft, wie die Geschichte unseres Landes und Volkes in den vergangenen 60 Jahren.

Wechselvolle Geschichte

Ende der 20er Jahre kamen hier die ersten Gedanken eines Fußballvereins, wie man ihn damals nannte, auf. Die wirtschaftliche Lage war denkbar schlecht. Die Liebe zum Sport und der Idealismus waren das einzige Startkapital, das bei der Gründung des Sportvereins Westfalia Bilk im Jahre 1930 zu Verfügung stand.

In Eigenleistung wurde ein Fußballplatz geschaffen. Er lag rechts von der Straße, die nach Roters in die Brechte führte, und links vom Weg von Bauer Linnemann nach Claas. Eigentümer des Grundstücks war der Bauer Bärtels, der dieses Grundstück zur Verfügung stellte. Vereinslokal war die Gastwirtschaft Josef Wolters, Ver-bandsmäßig gehörte der Verein dem DJK an. Sonntag für Sonntag rollte hier nun das runde Leder, Waren die Großen, d. h. die ersten Mannschaften, auf Auswärtsspielen, rannten die Kleinen, die Schuljungen, auf dem Platz hinter dem Ball her, als ginge es um die Weltmeisterschaft. Der Herr Pastor Dahlmann hatte sonntags schon seine liebe Not, seine Schuljungen in die Sonntagsandacht zu bekommen. Und man muß Herrn Pastor Dahlmann schon bestätigen, daß er für seine Jungs viel Verständnis aufbrachte, auch wenn seine Jungen in der Andacht manchmal mehr Fußball im Kopf hatten, als Katechismus.

1939 sportliches Ende

Mitte der 30er Jahre wurde der Sportplatz dann auf das Gelände neben der Vogelstange des Schützenvereins an der Ochtruper Straße verlegt. Der alte Platz wurde aufgegeben, und alle Meisterschafts-und Freundschaftsspiele fanden fortan auf dem neuen Platz statt. Der Verein blühte nun mächtig auf und brachte gute sportliche Leistungen und Erfolge. Mit Ausbruch des Krieges 1939 fand dies dann alles ein jähes Ende. Wie überall in Deutschland kam der Spielbetrieb bald zum Erliegen. Die jungen Männer wurden eingezogen, und eine Reihe von ihnen kehrte in ihr heimatliches Bilk nicht mehr zurück. Vermißt, verschollen, gefallen.

Doch schon bald nach Kriegsende regte sich der Westfaliageist wieder. Ein Bild einer Mannschaftsaufstellung vom Oktober 1945 hängt heute noch im Vereinslokal. Nach Genehmigung eines neuen Sportverbandes durch die damalige Militärregierung der Engländer trat Westfalia Bilk diesem Verband bei, erhielt seine Spiellizenz und seine Einteilung in die entsprechende Kreisklasse. In der Nachkriegszeit kamen dann viele Vertriebene in die Bauerschaft Bilk, darunter auch Menschen, die hier sportlich aktiv wurden, so daß Westfalia Bilk über gute sportliche Qualität verfügte. Eine starke Position im oberen Bereich der Kreisklasse zeugte davon. Die Krönung dieser Erfolge war wohl die Herbstmeisterschaft 1948. Ein Mannschaftsfoto dieser Spitzenmannschaft hängt ebenfalls im Vereinslokal.

Technischer knock out

Doch dann kam völlig unerwartet das technische K.O. für Westfalia Bilk. Durch Anträge und grobe Gewalt wurde Westfalia Bilk regelrecht aus dem Verkehr gezogen. Durch einen Verein der größten Stadt einer Kreisklasse, der in Bilk antreten mußte, wurde Westfalia Bilk auf eigenem Platz durch eine organisierte Schlägertruppe zusammengeschlagen.

Schlägerei

Nach einem von den Gästen provozierten Spielabbruch holten sie von einem am Platz abgestellten Lkw plötzlich Handstöcke für die nun folgende Massenschlägerei zur Hand. Die Gäste stellten das „Schlagzeug", die Bilker die Verletzten und die Krankenhausaspiranten und in dem später folgenden Sportgerichtsverfahren die Alleinschuldigen.

Sperre

Eine mehrjährige Sperre für den gesamten Verein Westfalia Bilk war die Folge, weil Westfalia angeblich nicht genügend Platzordner zum Einsatz gebracht hatte. Diese Begründung hat Westfalia nie anerkannt oder akzeptiert, denn was können Platzordner gegen solch eine organisierte Schlägerbande ausrichten, zumal sie sogleich angegriffen wurden, als sie versuchten die Auseinandersetzungen zu schlichten. Selbst der über 70 Jahre alte Vereins Vorsitzende wurde bei seinem Versuch, das Schlimmste zu verhüten, krankenhausreif geschlagen. Schutzgitter und Polizeiaufgebot mit Hundestaffeln, wie sie in unserem großen Stadion heute leider unentbehrlich sind, gab es damals noch nicht, und schon gar nicht auf so kleinen Plätzen. Aber Rüpel, Rowdies und Schlägertrupps, die auf ihre Art „Spielergebnisse" herzustellen versuchten, die gab es damals schon. Und solchen Typen ist Westfalia Bilk damals zum Opfer gefallen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Mit Niemandem und mit Keinem hat Westfalia jemals Auseinandersetzungen gehabt. Kein einziger Feldverweis oder Sperre gegen einen Westfalia-Spieler war jemals verhängt worden und nun wurde gleich ein ganzer Verein gesperrt.

Auflösung

Der Spielbetrieb kam nach diesem Urteil sofort zum Erliegen. Aber ein Beschluß zur Auflösung des Vereins erfolgte nicht. Mehr als 2 Jahrzehnte hatte diese Sperre Bestand. Die Bilker lebten nach den Worten eines großen Franzosen: „Nie davon reden, aber immer daran denken". Dann hat der Verband von sich aus seine Entscheidung revidiert und die Sperre aufgehoben. Vielleicht aus der bitteren Erkenntnis heraus, was sich heute in unseren großen Stadien abspielt, wo es nicht bei Verletzten bleibt, sondern Tote den grünen Rasen zu Schlachtfeldern machen. Die Ziehväter dieser Entwicklung sind nicht unsere heutigen jungen Menschen, sondern jene Männer, die schon vor Jahrzehnten in den Kammern und Sportgerichten solche Fehlurteile fällten — nach dem Motto: Der Ermordete hat Schuld. Die Schwachen wurden bestraft und die Rabauken gingen straffrei aus. Wer da im einzelnen sein „mea culpa" sprechen muß, sei dahin gestellt. Wir sehen nun heute wo diese Entwicklung hingeführt hat. Westfalia wurde damals zum Sündenbock hingestellt, obgleich sie nicht der Verursacher dieses Gewaltaktes war, sondern Opfer in jeder Beziehung — aber der Verein hat es überlebt.

Eine junge Generation ist herangewachsen. Sie will das weiterführen, was ihre Väter vor rund 60 Jahren begründet haben. Sie will Sport treiben, Fußballspielen in ihrem unmittelbaren Wohn- und Lebensbereich. Sie braucht dazu einen eigenen Sportplatz in Bilk, wie er jahrzehntelang selbstverständlich war. Sie will keinem etwas nehmen oder streitig machen. Westfalia Bilk bietet jedem die Hand zu fairer Zusammenarbeit im sportlichen Wettstreit, und bittet alle, die guten Willens sind und die Verantwortung tragen in der Gemeinde, zu helfen, die Normalität eines Sportplatzes in Bilk wieder herzustellen.

(11.März 1988)